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Mal ein paar Erklärungen zu Klebstoffen Optionen
Cyrus1501
#1 Geschrieben : Donnerstag, 16. Juni 2016 18:46:42
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Hallo zusammen,

ich wollte hier mal ein paar grundlegende Infos zu Klebstoffen loslassen, da ich mitbekommen habe, dass ziemlich oft Rückfragen diesbezüglich im Forum gestellt werden: Was soll ich nehmen? Geht dieser hier? Warum der nicht? etc. Zu meiner Person: Ich habe beruflich sehr viel mit Klebstoffen zu tun und versuche mich seit längerer Zeit mit dem Falken auch mal wieder am Modellbau, nachdem mein toller X-Wing mit Elektronik leider bei einem Umzug eine Bruchlandung erlebt hat... heul :-(

So... Erst einmal zu den Begrifflichkeiten - Klugscheißmodus auf ON: Der Begriff Kleber ist an sich falsch, es sollte immer Klebstoff heißen. Kleber sind die Leute, denen die Plastikteile beim Bauen plötzlich in den Haaren oder sonstwo hängen.

Generell gibt es zwei Arten von Klebstoffen, einmal solche, bei denen die eigentliche Reaktion zum festen Material erst noch ablaufen muss (chemisch reagierende Klebstoffe). Diese Systeme vernetzen nach dem Auftragen bzw. härten aus. Dazu gehört z.B. Sekundenklebstoff (Cyanacrylat). Der braucht für die chemische Reaktion Feuchtigkeit, z.B. die, welche in Spuren auch auf den Plastikteilen zu finden ist. Wenn es ein bisschen schneller gehen soll, kann man nach dem Zusammensetzen ruhig etwas draufhauchen. Das hilft ein wenig. Sekundenklebstoff eignet sich sehr gut für den Millenium Falcon. Allerdings klebt der auch so ziemlich alles andere (außer vielleicht PP, PE oder Styropor), deshalb vorsicht, es geistern immer wieder Geschichten herum, wo Leute ihre Augentropfen im Kühlschrank mit Sekundenklebstoff verwechselt haben...

Die 2. Kategorie von Klebstoffen nennt man physikalisch abbindende Klebstoffe. Hier sind die Klebstoffmoleküle schon fertig, d.h. es findet keine Reaktion mehr beim Verkleben selbst statt. Die langen Moleküle sind in organischen Lösungsmitteln gelöst, z.B. wie beim UHU-Kraftkleber. Man trägt den auf und fügt die Teile. Nach und nach verdampft dann das Lösungsmittel und der Klebstoff dickt langsam ein, bis nur noch der - dann feste - Kunststoff/Klebstoff übrig bleibt, welcher die Teile zusammenhält.

Im Modellbau nutzt man etwas ganz ähnliches. Der Modellbauklebstoff enthält auch Lösungsmittel, welcher Plastik an- bzw. auflösen kann. Presst man die eingestrichenen Teile aufeinander, vermischen sich die angelösten Kunststoffkettenmoleküle beider Seiten. Wenn das Lösemittel dann komplett verdunstet ist, hat man eine feste Verbindung ohne einen Klebstoffspalt zwischen dem Plastik bzw. ohne erkennbaren Übergang (Grenzfläche) zwischen den Teilen. Dieses Verfahren nennt man auch Kalt(ver)schweißen oder Diffusionskleben.

Zum besseren Verbinden, Verarbeiten bzw. zum Andicken enthält der Plastikklebstoff oft selbst schon Kunststoff in gelöster Form. Man kann auch die organischen Lösemittel selbst verwenden und müsste nicht auf Klebstoffe aus dem Handel ausweichen (gehört aber definitiv nicht in jede Hand und Laien würde ich eher davon abzuraten).
Für Polystyrol werden z.B. im "Handbuch Klebtechnik" die Lösemittel:
Aromaten, halogenierte Kohlenwasserstoffe, Toluol, Methylenchlorid, Chloroform, Methylethylketon und Butylacetat genannt. Letzteres ist sehr häufig auch in den erhältlichen Modellbauklebstoffen im Handel enthalten.

Ich habe mich gewundert, warum der Revell-Klebstoff nicht funktionieren soll. Bei ABS wird in dem Buch nämlich ohne Umschweife direkt auf Polystyrol verwiesen. Also einfach mal ausprobiert: Mein Revell Contacta Liquid funktioniert auch beim Falken gut. Habe in dem angehängten Bild einfach mal die Angussteile aufeinandergeklebt. Und es hält. Ggf. sind aber manche Klebstoffe noch besser auf ABS abgestimmt.

Ich selbst verwende ein recht flüssiges Cyanacrylat (ein etwas dickflüssigeres wäre aber sicherlich besser zu verwenden) und den UHU PLAST SPECIAL Modellbau-Kleber.

Wenn Ihr weitere Fragen habt, könnt Ihr Euch gerne melden.

PS: Die Klebstofffirmen geizen übrigens nicht mit kostenlosen Mustern. Fragt einfach mal nach...

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Han_Solo
#2 Geschrieben : Donnerstag, 16. Juni 2016 22:16:58

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Sehr interessant *DAUMENHOCH*
Nur deinen Hinweis mit "...geizen nicht, man muss nur fragen" habe ich nicht verstanden. Soll ich jetzt dich fragen da du anscheinend bei UHU arbeitest oder soll ich UHU und Co. direkt anschreiben und um Muster bitten?
Cyrus1501
#3 Geschrieben : Donnerstag, 16. Juni 2016 22:47:19
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Sorry, wenn es etwas missverständlich gewesen sein sollte... Die Hersteller direkt. Einfach mal fragen. Kostet ja nichts. Ich arbeite übrigens nicht bei UHU. Wir haben nur oft Muster von denen da, da die irgendwie die ganze Palette an Haushaltsklebstoffen abdecken. Wir verwenden aber natürlich auch andere, von Loctite, Delo, Sika etc.
WeissNicht
#4 Geschrieben : Freitag, 17. Juni 2016 07:31:39

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Cyrus1501 schrieb:

Ich habe mich gewundert, warum der Revell-Klebstoff nicht funktionieren soll. Bei ABS wird in dem Buch nämlich ohne Umschweife direkt auf Polystyrol verwiesen.


ABS besteht zu 40-60% aus Styrol (der gleiche Stoff, aus dem Polystyrol besteht), daher funktioniert er. Allerdings ist ein auf ABS abgestimmter Klebstoff nochmal deutlich besser.
Ich hab es aber auch schon erlebt, dass die Klebeverbindung (ABS mit "Modelbauplastikklebstoff" nicht so richtig hält. Es kommt da offenbar auf das Mischungsverhältnis der Komponenten des ABS an.

ABS-Kleber sind gern mal Gesundheitsschädlich (Dichlormethan).
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Cyrus1501
#5 Geschrieben : Montag, 27. Juni 2016 19:18:24
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ABS ist natürlich nicht gleich ABS. Entweder sind alle drei Monomere (Acrylonitril, Styrol, Butadien) in einem Polymer miteinander vernetzt oder es ist eine "Mixtur" aus Butadien-Kautschuk mit einem Styrol-Acrylonitril-Polymer, d.h. reines Polystyrol findet sich nicht mehr in der Mischung.

Was ich aber festgestellt habe, ist, dass der Revell-Klebstoff generell sehr viel dickflüssiger ist und vermutlich deshalb das ABS nicht so gut anlösen kann wie z.B. der sehr viel flüssigere UHU- oder Tamiya-Klebstoff.
Sonic_Sun
#6 Geschrieben : Montag, 27. Juni 2016 19:40:27

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Cyrus1501 schrieb:
ABS ist natürlich nicht gleich ABS. Entweder sind alle drei Monomere (Acrylonitril, Styrol, Butadien) in einem Polymer miteinander vernetzt oder es ist eine "Mixtur" aus Butadien-Kautschuk mit einem Styrol-Acrylonitril-Polymer, d.h. reines Polystyrol findet sich nicht mehr in der Mischung.

Was ich aber festgestellt habe, ist, dass der Revell-Klebstoff generell sehr viel dickflüssiger ist und vermutlich deshalb das ABS nicht so gut anlösen kann wie z.B. der sehr viel flüssigere UHU- oder Tamiya-Klebstoff.

ich habe alles rein mit aceton kaltverschweist , hält!
dabei ist das anlösen des abs ein her guter nebeneffeckt , dabei wirken die teile wie beim studio model verklebt. ;)
Tanthor
#7 Geschrieben : Sonntag, 25. März 2018 22:30:22
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Vielleicht habe ich es überlesen. Aber wie bekomme ich Sekundenkleberreste entfernt ohne das Material zu beschädigen?

Gruß Tanthor
WeissNicht
#8 Geschrieben : Montag, 26. März 2018 10:49:01

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Tanthor schrieb:
Vielleicht habe ich es überlesen. Aber wie bekomme ich Sekundenkleberreste entfernt ohne das Material zu beschädigen?

Gruß Tanthor


Gar nicht. Der lässt sich nur noch mechanisch (schleifen) entfernen
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Cyrus1501
#9 Geschrieben : Donnerstag, 5. April 2018 18:21:39
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WeissNicht schrieb:
Tanthor schrieb:
Vielleicht habe ich es überlesen. Aber wie bekomme ich Sekundenkleberreste entfernt ohne das Material zu beschädigen?

Gruß Tanthor


Gar nicht. Der lässt sich nur noch mechanisch (schleifen) entfernen


Sekundenklebstoff ist anfällig gegenüber Einwirkung von (warmem) Wasser, ggf. mit ein bisschen Seife drin. Das Lösen könnte aber uU seeeeeeeeeeeehr laaaaaaaaaaaaange dauern. Da der Klebstoff ein Thermoplast ist, sollte er sich prinzipiell auch mit einigen organischen Lösemitteln lösen lassen, vermutlich wird dann aber auch das ABS wieder mit angelöst.

Schleifen wäre also sicherlich nicht das Verkehrteste.

LG
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